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Wechseln des Gebläsemotors im /8er 

Auf  die  Frage  nach  dem  „verbautesten Teil“  im 

/8er kann es fast zwangsläufig nur eine Antwort 

geben: es  ist  der  Gebläsemotor,  welcher  zwi-

schen der Schottwand und dem Heizungskasten 

schräg  vor/unter  dem  Armaturenbrett  installiert 

ist!  Dieser  Gebläsemotor  ist  wartungsfrei,  und 

für eine Lebensdauer von weit mehr als einem 

Autoleben lang ausgelegt.

Nun ist es aber mit den /8ern, die wir jetzt fahren, 

so, daß sie das normale Autoleben schon längst 

überschritten  haben,  und  technische  Bauteile 

nicht  für  die  Ewigkeit  gebaut  werden  können. 

Das heißt, das es früher oder später zu Defekten 

an  technischen  Installationen  kommen  muß! 

Ein  bevorstehender  Exitus  des  Lüftermotors 

kündigt  sich  durch  ein  quietschendes  Anlaufen 

des  Lüfters  bei  kühleren  Außentemperaturen 

an;  wobei  es  in  der  Regel  gar  kein  echter 

Totalschaden  des  Lüfters  ist,  sondern  nur  ein 

Trockenlaufen der Motorlager des Lüfters. 

Ein  wahrer  Exitus  ist  ja  nur  dann  gegeben, 

wenn die Motorwicklung durchschmort oder der 

Kollektor verbrennt! Aber durch das Trockenlau-

fen der Gebläsemotor-Lager läuft dieser immer 

schwergängiger, bis er irgendwann nicht mehr in 

der  ersten  Geschwindigkeitsstufe  anläuft. Man 

muß dann auf Stufe zwei oder gar drei schalten, 

damit der Motor anläuft, und kann dann eventuell 

ein oder zwei Stufen herunterschalten.

Technisch gesehen ist es so, daß der Reibungs-

widerstand in den Motorlagern größer ist, als das 

Drehmoment, welches der Gebläsemotor in der 

ersten  Geschwindigkeitsstufe  entwickeln  kann. 

Wird der Schaden nicht behoben, kann es bis zu 

Der Technik-Report

von Martin Stypa

Bild 1

Bild 1

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einem  völligen  Festgehen  des  Gebläsemotors 

führen; wenn dann bei eingeschalteter Zündung 

der  Gebläse-Stufenschalter  nicht  in  der  Null-

Stellung ist, und über längere Zeit Strom durch 

den blockierten Motor fließt, dann kann es natür-

lich  zum  Durchschmoren  von  Motorwicklungen 

und Verbrennen des Kollektors führen! Um einen 

Totalausfall  zu  vermeiden, 

sollte man nun den Geblä-

semotor so zügig wie mög-

lich überholen, oder durch 

einen überholten gebrauch-

ten ersetzen; denn ein Neu-

teil  kostet  bei  Daimler  ca. 

700,-  DM  inklusive  MwSt. 

Das  größte  Problem  beim 

Wechseln des Gebläsemo-

tors  ist  der  große  Arbeits-

aufwand, um überhaupt an 

den  Lüftermotor  heranzu-

gelangen.  Das Bild 1 - die 

Explosionszeichnung  der 

Heizungs-  und  Lüftungs-

anlage  -  zeigt  euch  links 

oben  mit  der  Nummer  60 

den  Gebläsemotor,  am 

Heizungskasten  mit  der 

Nummer 15 erkennt man die runde Lufteintritts-

öffnung, vor der der Gebläsemotor angeordnet ist; 

und der Wärmetauscher, hier die Position 21, sitzt 

im Heizungskasten. Durch den Wärmetauscher 

wird bei geöffneten Heizungsreglern das warme 

Motorkühlwasser  hindurchgeleitet,  und  die 

durchströmende Luft erwärmt. 

Bild 2

Bild 3

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Ihr könnt auf der Zeichnung auch gut erkennen, 

daß der Wärmetauscher aus zwei Wärmetausch-

Elementen  besteht,  nämlich  eine  für  die  linke 

Fahrzeugseite  und  eine  für  die  rechte  Fahr-

zeughälfte  -  die  eben  bei  Mercedes  bekannte, 

getrennte  Heizungsregelung  für  Fahrer  und 

Beifahrer! 

Kommen wir nun zum eigentlichen Ausbau des 

Gebläsemotors, dafür muß fast alles unter dem 

Armaturenbrett entfernt werden, und je weniger 

Sonderausstattungen  eingebaut  sind,  desto 

einfacher  geht  der  Ausbau  vonstatten. Eine 

Klimaanlage macht das Ganze recht kompliziert, 

und auch teurer, denn die Anlage muß entleert 

und  nach  dem  Zusammenbau  wieder  befüllt 

werden! 

Der  Ausbau  fängt  damit  an, 

daß  beide Vordersitze  ausge-

baut werden müssen, damit die 

Mittelkonsole  entfernt  werden 

kann. Die  Fußmatten  werden 

herausgenommen,  dann  das 

Radio  und  der  Aschenbecher, 

der Aschenbecherrahmen wird 

abgeschraubt und der Stecker 

für  den  Stromanschluß  des 

Zigarrenanzünders abgezogen. 

Dann  kann  die  Abdeckung  in 

der  Mittelkonsole  hochgenom-

men  werden  und  sämtliche 

Kabelstecker  von  den  daran 

befindlichen Schaltern abgezo-

gen  werden. Die  eigentliche 

Mittelkonsole  ist  nun  noch  mit 

sechs  Schrauben  befestigt; 

zwei am hinteren Ende am Kardantunnel, zwei 

vorne in der Schottwand, je eine links und rechts, 

sowie  zwei  Kunststoff-Hutschrauben  direkt  an 

der  Unterkante  des  Armaturenbretts.  Nach 

dem Lösen aller Schrauben kann die komplette 

Mittelkonsole bei gleichzeitigem Spreizen an der 

Oberkante vorsichtig nach hinten herausgezogen 

werden.  Das  Bild  2  zeigt  den  Zustand  bei 

herausgenommener Mittelkonsole.

Um den Heizungskasten ausbauen zu können, 

muß das Armaturenbrett nicht ausgebaut werden, 

denn die Platzverhältnisse unterhalb des Arma-

turenbretts  verändern  sich  nicht  bei  einer 

ausgebauten Armaturentafel! Am hinderlichsten 

beim  Ausbau  des  Heizungskastens  ist  der 

eingeschweißte  untere  Querträger  unter  dem 

Armaturenbrett,  der  Heizungskasten  ist  so 

sperrig,  daß  nur  mit  etwas 

Gewalt  und  Millimeterarbeit 

dieser zwischen dem Kardan-

tunnel  und  der  Querstrebe 

herausgezogen werden kann.

Auf Bild 3 seht Ihr bei ausge-

bautem  Armaturenbrett  die 

untere Querstrebe. Das Arma-

turenbrett  ist  unten  mit  fünf 

Schrauben  an  dem  Querträ-

ger,  sowie  mit  drei  an  der 

Oberkante unterhalb der Front-

scheibe  befestigt. Wie  schon 

gesagt: das  Armaturenbrett 

muß  nicht  entfernt  werden, 

und  ich  rate  auch  davon  ab, 

denn erstens ist es wieder ein 

Mehraufwand, und das Arma-

Bild 4

Bild 5

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turenbrett muß beim Ein- und Ausbau zwischen 

den A-Säulen links und rechts etwas gestaucht 

werden,  wobei  es  beschädigt  werden  kann! 

Außerdem ist der Einbau an der Oberkante bei 

eingesetzter Windschutzscheibe  sehr  fummelig 

und  widerspenstig,  da  die  Lippe  vorne  am 

Armaturenbrett unterhalb des Scheibengummis 

zum Liegen kommen muß. 

Ich  habe  mein  Armaturenbrett 

nur  deshalb  ausgebaut,  weil 

ich  es  im  Zuge  des  Gebläse-

motorwechsels  gegen  ein  riß-

freies Armaturenbrett getauscht 

habe. Nach dem Entfernen der 

Mittelkonsole  werden  die  Laut-

sprecherabdeckung  und  der 

Lautsprecher aus dem Armatu-

renbrett  entfernt,  damit  man 

an  die  Frischluftklappe  heran-

kommt.  Auf  dem  Bild  1  seht 

ihr  die  Frischluftklappe  mit  der 

Nummer 26, sowie die Gummi-

hutze,  die  die  Frischluftklappe 

mit der Frischluftaustritts-Jalou-

sie verbindet. Die Gummihutze, 

Nummer 233, wird nun von der 

Frischluftklappe heruntergezogen und das darin 

befindliche Gestänge kann ausgehakt werden. 

Vorne  an  der  Jalousie  werden  die  Knöpfe  der 

Schieberegler und der Drehschalter abgezogen; 

nach  dem  Lösen  zweier  in  den  oberen  Ecken 

versteckter Schrauben kann die komplette Jalusie 

herausgezogen werden! Die Heizungsreglerplatte 

wird auch gelöst und etwas herausgezogen - nun 

kann  die  Frischluftklappe  entfernt  werden. Das 

Kühlwasser  muß  komplett  abgelassen  werden, 

und bei Fahrzeugen mit Klimaanlagen muß diese 

entleert werden. 

Die  Wasserschläuche  im  Motorraum  an  der 

Spritzwand müssen vom Wärmetauscher gelöst 

und  abgezogen  werden,  wobei  hier  bei  den 

Sechszylinder-Modellen  der  Platz  sehr  beengt 

ist, es heißt also wieder fummelige Arbeit.

Nach  dem  Entfernen  der  Pappabdeckungen 

unterhalb  des  Armaturenbretts  kann  man  dort 

die  Arbeiten  weiterführen.  Bei  Fahrzeugen 

mit  Klimaanlage  muß  nun  erst  einmal  der 

Klimakasten  vom  Heizungskasten  getrennt 

werden;  nach  dem  Abschließen  der  Klima-

Vorlaufleitung und der Klima-Rücklaufleitung wird 

die Schaltstange des linken Unterdruckelements 

ausgehangen und der Stecker vom Umschalter 

abgezogen. Dann wird der vordere Haltewinkel 

auf dem Kardantunnel entfernt, nun ist der kom-

plette Klimakasten nur noch mit vier Klammern 

bzw. einer  Schraube  am  Heizungskasten  befe-

stigt; das Entfernen der oberen zwei Klammern 

ist wiederum sehr fummelig! 

Vorweg  wurden  natürlich  die  senkrechten Ver-

strebungen zwischen dem Kardantunnel und dem 

unteren  Querträger  abgeschraubt. Jetzt  kann 

der Klimakasten herausgenommen werden; das 

Bild 6

Bild 7

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Bild 4 zeigt den ausgebauten Klimakasten. Nun 

werden die Heizungskanäle für den Fondfußraum 

links und rechts abgeschraubt und entfernt. Dann 

werden die beiden Bowdenzüge für die Klappen-

betätigung  am  Heizungskasten  ausgehängt. 

Anschließend  wird  das  Fußraum-Klappenteil 

abgeschraubt  und  herausgezogen;  dieses 

Fußraum-Klappenteil zeigt euch das Bild 5. 

Jetzt  steht  uns  „nur“  noch  der  Ausbau  des 

Heizungskastens  bevor. Dazu  werden  links 

und  rechts  die  beiden  runden  Schläuche  zu 

den  Luftdüsen  abgezogen  (auf  dem  Bild  1  die 

Nummer 258 ). Bei Klimaanlage müssen nun die 

Unterdruckschläuche  von 

den Unterdruck-Elementen 

abgezogen  werden. Nun 

wird der ganze Heizungs-

kasten nur noch von zwei 

Muttern  oben  unterhalb 

der  Frontscheibe  gehal-

ten. Nach  dem  Entfernen 

dieser Muttern fällt uns der 

Heizungskasten.  schon 

entgegen, aber der Ausbau 

gestaltet sich - wie schon 

Eingangs erwähnt - etwas 

verzwickt, denn erst einmal 

müssen  die  Wasseran-

schlüsse  des Wärmetau-

schers  nach  innen  durch 

die  Schottwand  gezogen 

werden. Dazu  muß  man 

den kompletten Heizungs-

kasten  nach  hinten-oben  ziehen.  Sind  die 

Wasseranschlüsse  im  Wageninneren,  dann 

muß  der  Heizungskasten  seitlich  nach  rechts 

herausgezogen  werden,  dieses  ist  platzmäßig 

Millimeterarbeit  und  nur  recht  widerspänstig 

vollziehbar.

Nachdem  man  es  geschafft  hat,  liegt  der  Hei-

zungskasten  nun  vor  einem  wie  auf  Bild  6  zu 

sehen. Nun endlich kann man einen ersten Blick 

auf den Gebläsemotor werfen, der nur mit drei 

Schrauben an der Karosserie befestigt ist; um ihn 

aber komplett ausbauen zu können, muß vorher 

noch  das  Lufteinlaßgitter  vor  der  Frontscheibe 

entfernt werden! 

Den  eingebauten  Geblä-

semotor  zeigt  euch  das 

Bild  7. An  dem  Gebläse-

motor ist nämlich fest das 

Anschlußkabel  und  der 

Kasten  mit  den Vorwider-

ständen  für  die  einzelnen 

Geschwindigkeitsstufen 

verbunden; um dieses nun 

komplett  ausbauen  und 

vor  allen  Dingen  wieder 

einbauen zu können, muß 

der Lufteintrittsschacht vor 

der  Windschutzscheibe 

freigelegt  werden. Dazu 

werden  die  Scheibenwi-

scherarme  abgeschraubt 

und  die  darunterliegen-

den Muttern entfernt, dann 

werden  die  Zierleisten 

Bild 8

Bild 9

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unterhalb der Frontscheibe vorsichtig gelöst und 

abgenommen, nun können die fünf Spreiznieten 

an der Vorderkante des Lufteinlaßgitters entfernt 

werden. Dazu  wird  der  innere  Stift  nach  innen 

durchgedrückt  und  der  eigentliche  Niet  nach 

vorne herausgezogen. 

Ist  der  Lufteinlaßschacht  freigelegt,  so  wie  auf 

Bild  8  zu  sehen,  dann  sieht  man  dort  auch 

den Vorwiderstandskasten  innen  links  an  der 

Schottwand.  Nun  zieht  man  im  Motorraum 

links  neben  dem  Heizungsventil  den  Stecker 

für  den  Gebläsemotor  ab  und  dreht  die  zwei 

Schrauben, die sich daneben befinden und den 

Vorwiderstandskasten  halten,  heraus. Jetzt 

kann  der  komplette  Gebläsemotor  nach  innen 

herausgenommen werden. Nun zeigt Euch schon 

ein Fingerdreh am Flügelrad des Gebläsemotors, 

wie schwergängig dieser ist. 

Es  gibt  zwar  verschiedene  Ausführungen  von 

Gebläsemotoren,  aber  prinzipiell  sind  sie  alle 

gleich. Sie  lassen  sich  zerlegen,  wobei  die 

Motoren  selbst  aber  gehäusemäßig  verstemmt 

sind, diese brauchen aber auch nicht auseinander 

genommen zu werden. Man kann den Lüfterflügel 

von  der  Motorachse  herunterziehen,  und  auch 

den Motor aus der Halterung herausnehmen, Bild 

9  zeigt  Euch  den  so  zerlegten  Gebläsemotor. 

Nun  kann  man  mit  einem  Borstenpinsel  das 

Motorinnere  und  den  Kollektor  reinigen,  die 

Kohlen könnte man theoretisch auch erneuern, 

aber  bei  allen  alten  Gebläsemotoren  die  ich 

schon  in  den  Händen  hatte,  waren  die  Kohlen 

nur minimal abgenutzt, also noch für Jahrzehnte 

ausreichend! Wichtig ist nun, die zwei Motorlager 

gut  zu  ölen. Konstruktionsbedingt  ist  es  so, 

daß hinter den Bronze-Motorlagern eine Stopf-

buchse im Inneren angeordnet ist, die mit einem 

Filzkissen  versehen  ist. Dieses  Filzkissen,  auf 

das  der  Pfeil  auf  Bild  10  deutet,  soll  natürlich 

satt mit Öl getränkt werden, damit die Lager für 

die  nächsten  Jahrzehnte  wieder  ausreichend 

geschmiert sind. 

Es zeigt sich mal wieder: kleine Ursache, große 

Wirkung. Nach dem Zusammenbau des Geblä-

semotors zeigt sich wieder, wie leichtgängig er 

laufen kann. Ein Probeanschluß und Laufenlas-

sen während des Ölens befördert das Öl besser 

in  die  Lager. Der  Zusammenbau  geschieht, 

wie  immer  so  leicht  gesagt,  in  umgekehrter 

Reihenfolge. Das  Ganze  ist  nun  mal  ein  sehr 

arbeitsintensives Unterfangen, aber was gemacht 

werden  muß,  das  muß  gemacht  werden!  Oder 

wie man bei uns in Norddeutschland sagt: „wat 

mut, dat mut“.

Ich hoffe, ich habe euch wieder mal ein paar Tips 

geben  können,  und  wünsche  euch  allzeit  gute 

Fahrt mit dem Stern!

Tschau bis dann 

Bild 10