EVWL Makro Vorlesung3

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre

Teil 2: Makroökonomik

3. Produktion und Wachstum

Christian Merkl

Vorlesung: 17. Dezember 2008

Stand: 5. Dezember 2008

Anmerkung: Als Folienvorlage für die gesamte Veranstaltung dienen die Originalfolien des Verlages Schäffer und Poeschel. Diese wurden mit freundlicher
Genehmigung des Verlages ergänzt, erweitert und leicht verändert.

© Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft • Steuern • Recht • GmbH www.sp-dozenten.de, Institut für Wirtschaftswissenschaft. Universität Erlangen-
Nürnberg.

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2

Inhalt

• Wie hat sich der Lebensstandard über die

Jahrhunderte in den verschiedenen Regionen
verändert?

• Wie erklärt sich diese Erhöhung

des Lebensstandards?

• Welche Maßnahmen können ergriffen werden,

um das wirtschaftliche Wachstum zu fördern?

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3

Wirtschaftswachstum rund um die Welt

BIP pro Kopf der Bevölkerung

-

10.000

20.000

30.000

1820 1830 1840 1850 1860 1870 1880 1890 1900 1910 1920 1930 1940 1950 1960 1970 1980 1990

Westeuropa

Europäische Ableger

Japan

Asien (ohne Japan)

Lateinamerika

Osteuropa

Afrika

1990 in Dollar

1998

Quelle: Angus Maddison, The World Economy, Vol 2: Historical statistics.

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4

Tabelle 1: Die Entwicklung des

Wirtschaftswachstums rund um die Welt

Land

Periode

Reales BIP* pro

Kopf zu Beginn der

Periode

($ pro Person)

Reales BIP* pro Kopf

am Ende der Periode

($ pro Person)

Durchschnittliche

Wachstumsrate

(% pro Jahr)

Japan 1890–2003

1.280

28.620

2,79

Brasilien

1900–2003

663

7.480

2,38

Mexiko 1900–2003

987

8.950

2,16

China 1900–2003

610

4.990

2,06

Deutschland 1870–2003

1.859

27.460

2,05

Kanada 1870–2003

2.022

29.740

2,04

Vereinigte Staaten

1870–2003

3.412

37.500

1,82

Argentinien 1900–2003

1.952

10.920

1,69

Indien 1900–2003

575

2.880

1,58

Vereinigtes Königreich

1870–2003

4.094

27.650

1,45

Indonesien 1900–2003

759

3.210

1,41

Bangladesh

1900–2003

531

1.870

1,16

Pakistan 1900–2003

628

2.060

1,16

* in Preisen von 2003.
Quelle: Robert J. Barro and Xavier Sala-i-Martin, Economic Growth, New York, 1995, Tabellen 10.2 und
10.3; World Development Report 2005, Tabelle 1; eigene Berechnungen

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5

Produktivität und Wachstum

• Der Lebensstandard, gemessen am realen BIP

pro Kopf der Bevölkerung, ist bestimmt durch die
Produktivität.

• Die Produktivität ist die Menge der pro

Arbeitsstunde hergestellten Waren und
Dienstleistungen.

• Unterschiede im Lebensstandard erklären

sich somit durch unterschiedliche Produktivität.

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6

Wachstumsraten und

Wirtschaftsentwicklung

• Relativ geringe Wachstumsraten haben

langfristig große Auswirkungen auf den
Lebensstandard.

• Eine Wachstumsrate des Pro-Kopf-BIP

von 2 % führt zu einer Verdoppelung des
Lebensstandards in ca. 36 Jahren.

• Eine Wachstumsrate von 3 % verdreifacht den

Lebensstandard in ca. 36 Jahren.

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7

Produktivität: Rolle und Bestimmungsfaktoren

• Wenn die Produktivität den Lebensstandard bestimmt,

was bestimmt die Produktivität?

• Die Produktivität hängt ab von der Art und Menge

der Produktionsfaktoren, welche einem Arbeitnehmer zur
Verfügung stehen.

• Produktionsfaktoren sind

− Realkapital
− Humankapital
− natürliche Ressourcen
− technologisches Wissen

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8

Bestimmungsfaktoren der Produktivität 1

Realkapital pro Arbeitskraft

– Der Bestand an produzierten Produktionsmitteln, die

für die Produktion von Waren und Dienstleistungen
geschaffen werden.

– Es ist der Bestand an Sachinvestitionen,

die für die Produktion und Verteilung von Gütern
und Dienstleistungen verwendet werden,
z.B. Maschinen, Fahrzeuge, Gebäude.

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9

Bestimmungsfaktoren der Produktivität 2

Humankapital pro Arbeitskraft

– Wissen und Fähigkeiten, welche Arbeitskräfte durch

Ausbildung und Berufserfahrung erwerben.

– Wie das Sachkapital, so erhöht auch das

Humankapital die Produktionsmöglichkeiten einer
Volkswirtschaft und trägt dadurch zur Produktivität
bei.

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10

Bestimmungsfaktoren der Produktivität 3

Natürliche Ressourcen pro Arbeitskraft

– Ressourcen, die in der Natur vorhanden sind (Land,

Flüsse, Bodenschätze).
Dazu gehören regenerierbare Ressourcen (wie
Wälder) sowie nichtregenerierbare Ressourcen
(wie Erdöl).

– Natürliche Ressourcen können für eine hohe

Produktivität wichtig sind, sind aber nicht notwendig.

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11

Bestimmungsfaktoren der Produktivität 4

– In der Natur vorhandene Dinge werden jedoch meist

durch die Entwicklung neuer Technologien zu
Ressourcen, die im Produktionsprozess verwendet
werden können (z.B. Bauxit). Der Bestand an
„natürlichen Ressourcen“ ist somit nicht konstant.

– Steigende Marktpreise (inflationsbereinigt) führen

dazu, dass neue Ressourcen wirtschaftlich genutzt
werden können (Ölschiefer) und neue Verwendungen
gefunden werden (Kunststoffe).

– Fallende Preise von Ressourcen deuten darauf hin,

dass Ressourcen nicht knapper werden.

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12

Bestimmungsfaktoren der Produktivität 5

Technologisches Wissen pro Arbeitskraft

– Das Wissen der Gesellschaft um die besten Wege

zur Herstellung von Waren und Dienstleistungen.

– Technologisches Wissen betrifft das Verständnis der

Gesellschaft, wie die Welt funktioniert.

– Humankapital bezieht sich auf die Ressourcen, die

verwendet werden, dieses Wissen den Arbeitskräften
zu vermitteln.

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13

Die Produktionsfunktion 1

• Volkswirte verwenden oftmals eine

Produktionsfunktion, um den Zusammenhang
zwischen den Mengen der Inputs und der
Menge des Outputs darzustellen

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14

Die Produktionsfunktion 2

Eine algebraische Darstellung der
Produktionsfunktion lautet
Y = A F(L, K, H, N)

Y

= Outputmenge

A

= Technologie

L

= Menge an Arbeit

K

= Menge an Realkapital

H

= Menge an Humankapital

N

= Menge an natürlichen Ressourcen

F( ) = die funktionelle Beziehung zwischen Inputs und Output.

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15

Die Produktionsfunktion 3

Eine Produktionsfunktion hat konstante
Skalenerträge,

– wenn eine Verdoppelung der Inputs zu einer

Verdoppelung des Outputs führt, oder, anders
formuliert,

– wenn für jede positive Zahl x gilt

xY =

A

A

F(xL

F(xL

,

,

xK

xK

,

,

xH

xH

,

,

xN

xN

)

).

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16

Die Produktionsfunktion 4

Eine solche Produktionsfunktion hat eine interessante
Eigenschaft.

Setzen wir

x = 1/L, dann gilt

Y/ L = A F(1, K/ L, H/ L, N/ L)

wobei:

Y/L = Output pro Arbeitskraft

K/L = Realkapital pro Arbeitskraft

H/L = Humankapital pro Arbeitskraft

N/L = natürliche Ressourcen pro Arbeitskraft

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17

Ein illustratives Beispiel für eine

Produktionsfunktion

M

Eine Cobb-Douglas-Funktion mit den Faktoren
Arbeit und Kapital:

Y=N^(2/3)*K^(1/3)

M

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18

Wirtschaftswachstum und staatliche Politik

• Regierungen haben einen wesentlichen Einfluss

auf die gesamtwirtschaftliche Produktivität und auf das
Wirtschaftswachstum.

• Regierungen können die Produktivität und das

Wirtschaftswachstum fördern durch:

− Förderung von Ersparnisbildung und Investitionen,
− Förderung von Investitionen aus dem Ausland,
− Förderung von Bildung und Ausbildung,
− Schaffung sicherer Eigentumsrechte und politischer Stabilität,
− Förderung von Freihandel,
− Förderung von Forschung und Entwicklung.

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19

Sparen und Investieren

• Durch vermehrte Spar- und Investitionstätigkeit

kann die Produktivität in der Zukunft gesteigert
werden.

• Wird heute mehr gespart, werden mehr

Kapitalgüter hergestellt.

• Der zukünftige Kapitalstock wächst und kann zur

Produktion einer größeren Menge von Waren
und Dienstleistungen genutzt werden.

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20

Abnehmende Grenzerträge

und der Catch-Up-Effekt

• Wenn der Kapitalbestand steigt, dann sinkt der Output,

der mit einer zusätzlichen Einheit von Kapital gewonnen
wird.

• Diese Eigenschaft der Produktionsfunktion bedeutet,

dass der Grenzertrag des Kapitals sinkt.

• Der abnehmende Grenzertrag des Kapitals bedeutet,

dass höhere Spar- und Investitionstätigkeit die
Wachstumsrate nur vorübergehend steigen lässt.

• Langfristig steigen durch eine höhere Ersparnis

Produktivität und Einkommen, jedoch nicht die
Wachstumsrate.

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21

Wirtschaftswachstum rund um die Welt

1

1

Output je

Arbeitskraft

Realkapital

je Arbeitskraft

2. Wenn die Volkswirtschaft einen hohen
Realkapitalbestand aufweist, dann führt
ein zusätzlicher Kapitaleinsatz nur zu
einem geringen Produktionsanstieg.

1. Wenn die Volkswirtschaft einen geringen
Realkapitalbestand aufweist, dann führt ein
zusätzlicher Kapitaleinsatz zu einem starken
Produktionsanstieg.

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22

Abnehmende Grenzerträge

und der Catch-Up-Effekt

• Aus den abnehmenden Grenzerträgen ergibt

sich der

Catch-Up-Effekt

.

• Bei niedrigem Kapitalbestand pro Arbeitskraft ist

die Produktivität des zusätzlich investierten
Kapitals relativ hoch.

• Dies erklärt beispielsweise, warum die

Wachstumsrate der USA geringer war als in
Südkorea, obwohl die Investitionsquoten in
beiden Ländern ungefähr gleich waren.

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23

Auslandsinvestitionen

• Regierungen können durch die Förderung

von Investitionen aus dem Ausland
den Bestand an Realkapital erhöhen.

• Formen von Investitionen aus dem Ausland

− Ausländische Direktinvestition

Aufbau neuer Produktionsstätten oder Beteiligung
und Übernahme inländischer durch ausländische
Unternehmen.

− Ausländische Portfolioinvestition

Investition in Wertpapiere (Aktien, Anleihen).

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24

Ausbildung

• Ausbildung ist mindestens genauso wichtig für den

langfristigen wirtschaftlichen Erfolg eines Landes
wie Investitionen in Realkapital.

• Es handelt sich um eine Investition, weil Ausbildung für

die betreffenden Wirtschaftssubjekte mit Real-
und Opportunitätskosten verbunden ist, die einen
zukünftigen Ertrag abwerfen.

• Manche Ökonomen argumentieren, dass Ausbildung

wichtige positive Externalitäten verursacht (z.B. durch
Innovationen, welche durch Ausbildung ermöglicht
werden).

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25

Gesundheit und Ernährung

• Da gesündere Arbeitskräfte produktiver sind, kann

eine Volkswirtschaft über die richtigen Investitionen
in die Gesundheit der Bevölkerung zu einer höheren
Produktivität gelangen (Richard Fogel).

• In armen Ländern kann ein Teufelskreis entstehen:

Die Länder sind arm, weil die Bevölkerung einen
schlechten Gesundheitszustand aufweist.
Deswegen bleibt die Produktivität niedrig und die
Länder bleiben arm.

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26

Eigentumsrechte und politische Stabilität

• In manchen Ländern besteht die Gefahr von

willkürlichen Enteignungen, und es ist nur
schwer möglich, die Einhaltung von Verträgen
gerichtlich durchzusetzen. Dies verringert die
Investitionstätigkeit und führt zu Kapitalflucht.

• Politische Instabilität stellt eine Bedrohung

für Eigentumsrechte dar.

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27

Freihandel

• „Inward-Looking-Development“:

Abschottung vom Welthandel durch
Importsubstitution.

• „Outward-Looking-Development“:

Integration in den Welthandel.

• Die meisten Ökonomen sind der Ansicht,

dass eine Integration in den Welthandel bessere
Entwicklungsmöglichkeiten bietet.

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28

Bevölkerungswachstum

Bevölkerungswachstum könnte dazu führen,
dass

– natürliche Ressourcen überbeansprucht

werden
(Thomas Robert Malthus, 1766–1834),

– der Kapitalbestand pro Kopf der Bevölkerung

sinkt,

– der technische Fortschritt gefördert wird.

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29

Exkurs: Europa versus USA 1

• Die Wachstumsraten in vielen westeuropäischen

Ländern waren insbesondere in den 1950er und
1960er höher als in den USA

• In den letzten Jahrzehnten konnte Europa aber

die Differenz des BIP pro Kopf nicht mehr
reduzieren.

• Warum verharren wir scheinbar dauerhaft auf

einem niedrigerem Niveau als die Amerikaner?

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30

Europa versus USA 2

BIP pro Kopf der Bevölkerung

-

10.000

20.000

30.000

1820 1830 1840 1850 1860 1870 1880 1890 1900 1910 1920 1930 1940 1950 1960 1970 1980 1990

Westeuropa

Europäische Ableger

Japan

Asien (ohne Japan)

Lateinamerika

Osteuropa

Afrika

1990 in Dollar

1998

Quelle: Angus Maddison, The World Economy, Vol 2: Historical statistics.

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Europa versus USA 3

Blanchard versus Prescott

Prescotts Hypothese:

• Die niedrigere Arbeitsstundenzahl ist ausschließlich eine

Folge von hohen Steuern.

Wenn ein Wirtschaftssubjekt 100 Euro mehr

erwirtschaften würde, so müsste es 60 Euro an direkten
oder indirekten Steuern zahlen.

Wären die Steuern in US und Europa identisch, so

wären auch die Arbeitsstunden identisch.

Prescott, Edward C. (2004): „Why Do Americans Work So Much More Than Europeans?“ FED of Minneapolis
Quarterly Review
, No. 1, pp. 2-13, July 2004.

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32

Europa versus USA 4

Blanchards Hypothese:

„Catch-Up Growth“ Effekt zwischen Europa und US basierend auf
Imitation in der Nachkriegsphase.

BIP pro Kopf ist in Europa nur 70% im Vergleich zu USA. Dieses
Verhältnis ist seit etwa 30 Jahren konstant.

Verantwortlich dafür ist aber nicht die Produktivität, sondern die
Wahl zwischen Arbeit und Freizeit der Wirtschaftssubjekte.

Arbeiter in Europa haben einen Teil der höheren Produktivität dafür
eingesetzt, mehr vom Gut Freizeit zu konsumieren, während im
Gegensatz die Einkommen in den US gestiegen sind.

Die Daten zeigen, dass die pro-Kopf Produktivität in Europa
schneller gewachsen ist als in den US, gleichzeitig sind die
geleisteten Arbeitsstunden aber im gleichen Ausmaß gesunken.

Blanchard: Vollzeitbeschäftigte für den Rückgang der
Arbeitsstunden verantwortlich

Æ Es handelt sich um einen

freiwilligen Effekt handelt und damit um einen präferenzinduzierten.

Er führt weiter aus, dass nur ein Drittel auf Steuern zurückzuführen
ist, wie in Nickell (2003) gezeigt.

Blanchard, Oliver (2004): „The Economic Future of Europe.“ Journal of Economic Perspectives, Vol. 18(4), pp. 3-26, Fall 2004.
Nickell, Stephen (2003): „Employment and Taxes.“ Paper prepared for the CESifo conference on Tax Policy and Employment.

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33

Zusammenfassung 1

• Der wirtschaftliche Wohlstand hängt von der

Produktivität ab.

• Die Produktivität hängt von der Menge des

Realkapitals, des Humankapitals, natürlicher
Ressourcen und dem technischen Wissen ab,
das den Arbeitskräften zu Verfügung steht.

• Staatliche Maßnahmen können die

Wachstumsrate der Volkswirtschaft auf vielerlei
Weise beeinflussen.

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34

Zusammenfassung 2

• Die Akkumulation von Kapital ist mit

abnehmenden Grenzerträgen verbunden.

• Abnehmende Grenzerträge bedeuten, dass eine

höhere Ersparnis vorübergehend die
Wachstumsrate erhöht, zu mehr Wachstum
führt, aber dass sich die Wachstumsrate
längerfristig wieder verlangsamt.

• Abnehmende Grenzerträge führen auch dazu,

dass die Kapitalerträge in armen Ländern
besonders hoch sind.


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